"Corona-Pandemie trifft bayerischen Maschinenbau mit voller Wucht"

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Die Corona-Pandemie trifft den exportstarken bayerischen Maschinen- und Anlagenbau mit voller Breitseite. 70 Prozent der Unternehmen melden in einer aktuellen VDMA-Umfrage gravierende Rückgänge im Auftragseingang.

  • Nachfrage im In- und Ausland bricht aufgrund Corona ein
  • Reisebeschränkungen behindern Geschäft zusätzlich
  • VDMA: Politik muss passende Rahmenbedingungen schaffen!
  • Vorsichtiger Optimismus für 2021 und 2022

„Eine solche Krise gab es noch nie. Ihre Dauer und die Folgen sind daher derzeit schwer einzuschätzen. Unsicherheit und die fehlenden Investitionen belasten den bayerischen Maschinen- und Anlagenbau stark,“ erklärt Claudia Haimer, Vorsitzende des Vorstandes des VDMA Bayern anlässlich der Jahrespressekonferenz 2020. 

Denn der technologische Strukturwandel und Handelsdispute haben bereits 2019 teilweise starke Einbußen im bayerischen Maschinen- und Anlagenbau verursacht. „Man denke etwa an die Automobil-Zulieferer oder jene Unternehmen, die von globalen Handelskonflikten betroffen sind. Dort hat Corona die Situation noch weiter verschärft,“ erläutert Haimer. 

Ergebnisse des Vorjahres blieben bereits hinter den Erwartungen zurück

Vor diesem Hintergrund sind auch die Ergebnisse des Vorjahres bereits hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Der Jahresumsatz von 54,4 Milliarden Euro bedeutete für den bayerischen Maschinen- und Anlagenbau ein Minus von 1 Prozent. Im Auftragseingang erzielte Bayern preisbereinigt ein Minus von 7 Prozent im Vergleich zu 2018. Der Export wuchs lediglich um 0,3 Prozent.

Kurzarbeit als Antwort auf Nachfrageeinbruch

Die dramatische Entwicklung der Corona-Pandemie hat viele Unternehmen überrascht. Die Auftragseingänge im April (minus 26 Prozent) und Mai (minus 33 Prozent) sind wie erwartet eingebrochen. In den ersten fünf Monaten des Jahres belief sich das Minus auf 8 Prozent.

Auch aus den wichtigsten Auslandsmärkten des bayerischen Maschinen- und Anlagenbaus kommen kaum Impulse. Die Mehrheit der Unternehmen erwartet laut einer aktuellen VDMA-Umfrage schlechte Geschäftsentwicklungen in der EU, den USA und China. Die Auftragseingänge aus dem Ausland betrugen von März bis Mai 2020 minus 22 Prozent.

Dementsprechend haben 78 Prozent der bayerischen Unternehmen bereits Kapazitätsanpassungen vorgenommen. Dabei nutzen 94 Prozent der Unternehmen in Bayern Kurzarbeit. Personalabbau nutzen derzeit nur 14 Prozent, zeigt die Umfrage.

Prognosen verhalten optimistisch

In diesem Umfeld sind akkurate Prognosen für die nächsten Jahre unmöglich. Laut Umfrage erwarten rund 45 Prozent der Unternehmen in den nächsten sechs Monaten eine unverändert schlechte Lage bei den Auftragseingängen. „Vorsichtig optimistisch stimmt uns, dass 46 Prozent der Unternehmen angaben, bereits 2021 wieder eine Rückkehr auf das Umsatzniveau von 2019 zu erwarten. Weitere 39 Prozent erwarten eine Rückkehr für 2022“, erklärt Claudia Haimer.  

Belastungsmoratorium, uneingeschränkte Reisetätigkeit und Investitionen fördern!

„In dieser volatilen Situation braucht es umso mehr wirklich passende Rahmenbedingungen für Investitionen und unternehmerisches Handeln. Die Bundesregierung und die bayerische Staatsregierung haben in den letzten Monaten durchaus adäquat auf die Situation reagiert. Nun blicken wir aber voraus und da hat der Wirtschaftsstandort Bayern noch einiges zu tun,“ betont die Landesvorsitzende des VDMA.

Außerdem brachte der bayerische Corona-Sonderweg Nachteile. „Die strengen Quarantänebestimmungen und langsame Schulöffnungen sind eine nicht zu unterschätzende Belastung für Unternehmen. Hier haben wir auf schnellere Entlastung gehofft, aber die Chance hat die bayerische Staatsregierung verpasst“, betont die Vorsitzende.  

Akut betroffen sind Maschinenbauer von den Reisebeschränkungen in Drittländer. „Gerade in unsere größten Auslandsmärkte China und USA können wir nicht einreisen, zudem sind Flüge nicht ausreichend verfügbar. Hier brauchen wir dringend Unterstützung“, erklärt Claudia Haimer.

Darüber hinaus muss sich die bayerische Regierung verpflichten, sich für keine zusätzlichen regulatorischen und bürokratischen Vorschriften mindestens bis zum Ende des Jahres einzusetzen. Nur über ein Belastungsmoratorium und die Verpflichtung zum Bürokratieabbau lassen sich echte Erleichterung für den Maschinenbau schaffen, erklärt sie.  

Über all dem steht die Wettbewerbsfähigkeit des Standort Bayerns. Die digitale Infrastruktur, insbesondere der Breitbandausbau, steht hier nicht erst seit Corona im Zentrum. 42 Prozent sehen hier in einer VDMA-Umfrage trotz bereits hoher Investitionen immer noch politischen Handlungsbedarf. „Die in der Corona-Krise getätigten finanziellen Anstrengungen seitens des Bundes und der Länder werden nur dann nachhaltig, wenn die eingeschlagene Richtung der Innovations- und Investitionsförderung langfristig fortgesetzt wird,“ resümiert Claudia Haimer.

Haben Sie noch Fragen? Elgar Straub, Geschäftsführer des VDMA Bayern,
Telefon+49 89 27 82 87 20, elgar.straub@vdma.org, beantwortet sie gerne.

Der VDMA Bayern vertritt mehr als 460 Unternehmen des mittelständisch geprägten Maschinen- und Anlagenbaus. Mit 236.800 Erwerbstätigen im Inland und einem Umsatz von 54,4 Milliarden Euro (2019) ist der Maschinenbau einer der führenden Industriezweige insgesamt.

 

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