Ein Interview mit... Stefan Ionkov, Konsul, Leiter der Wirtschafts- und Handelsabteilung am Generalkonsulat der Republik Bulgarien in München

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Stefan Ionkov ist seit Kurzem Leiter der Wirtschafts- und Handelsabteilung am Generalkonsulat der Republik Bulgarien in München. Das Land hat sich in den letzten Jahren zunehmend zum interessanten Produktionsstandort entwickelt.

Sie sind seit Kurzem Wirtschaftskonsul der Republik Bulgarien in München. Warum haben Sie diesen Standort gewählt und was sind Ihre Aufgaben hier? Mir ist es eine große Freude, meine Arbeitsstelle von der Botschaft der Republik Bulgarien in Berlin nach München bei dem Generalkonsulat der Republik Bulgarien zu wechseln. Nach den erfolgreichen Ergebnissen bei der Gewinnung von verschiedenen Unternehmen während meiner Arbeitszeit in Berlin (2016-2019) für den Wirtschaftsstandort Bulgarien bezieht sich mein nächster Zweck auf  die nachhaltige Entwicklung der Wirtschafts- und Investitionsbeziehungen mit einem der wichtigsten Wirtschaftspartnern Bulgariens aus unserem Haupthandels- und Investitionspartner Deutschand - Bayern und Baden-Württemberg zu unterstützen und die Vertiefung der Zusammenarbeit zu fördern.

Was können wir für 2020 erwarten? 2020 wird für uns sehr intensiv sein, da wir uns schon auf einige Initiativen gründlich vorbereiten. Wir bereiten den Wirtschaftstag Bulgarien am 11. Mai 2020 vor, wo wir zusammen mit unseren Partnern von IHK-München, AHK-Bulgarien, Automobilcluster Bayern Innovativ und mit deutschen Unternehmen die zukünftigen Geschäfts- und Investitionsmöglichkeiten im Bereich Automobilindustrie und IT in Bulgarien vorstellen werden. Es ist geplant, dass eine bulgarische Wirtschaftsdelegation in diesen Bereichen unter der Leitung vom Minister für Wirtschaft der Republik Bulgarien Herrn Emil Karanikolov an dem Forum teilnimmt. Im Rahmen dieses Forums werden die Firmen die Möglichkeit haben, B2B Matchmaking miteinander zu machen. Darüber hinaus gehen wir mit der Herstellung der direkten Kontakte mit den bayerischen und baden-württembergischen Unternehmen weiter. Ich möchte mich herzlich beim VDMA für Ihre Bereitschaft für eine gemeinsame Veranstaltung, die wir für die zweite Hälfte des Jahres 2020 geplant haben, bedanken.  Dank Ihrer Unterstützung wird mein Land Bulgarien für die bayerischen und baden-württembergischen Maschinenbauer bekannter.

Was sollten Bayerische Maschinenbauer über Bulgarien wissen? Das EU-Mitglied Bulgarien ist ein sicherer, zuverlässiger Produktionsstandort. Relativ niedrigere, allgemeine Produktionskosten und qualifizierte und erfahrenenArbeitskräften, die Deutsch und Englisch sprechen, zeichnen das Land aus. Ein anderer Vorteil ist die geographische Lage, da Bulgarien nur 1.40 Flugstunde oder 1200 km von München entfernt ist.

Das Land bietet außerdem viele attraktive finanzielle Investitionsanreizen, wie etwa niedrige Körperschaft-  und Einkommensteuer. 

Aufgrund der erfolgreichen Entwicklung des traditionellen Maschinenbausektors in Bulgarien sind dort bereits mehr als 600 000 erfahrene Spezialisten in diesem Bereich beschäftigt. Wir sind stolz darauf, dass unser Land heutzutage sehr attraktiv und von vielen deutschen und internationalen Investoren von der Automobilzuliefererindustrie, von dem IT- und Maschinenbausektor bevorzugt ist. Viele deutsche und internationale Unternehmen wie Multivac GmbH, LEONI AG, Liebherr, Lufthansa Technik, ABB, FESTO, Schneider Electric, Behr-Hella Tehrmocontrol, Witte Automotive, Voss Automotive, Mecalit, Kostal, OSRAM, MAGNA, Sensata, Melexis, Visteon, SAP, HP haben hier bereits eine Niederlassung aufgebaut. Viele Investoren haben sogar dreimal ihre Investitionen erweitert und das spricht für sich selbst, dass die Firmen mit den bulgarischen Investitionsbedingungen sehr zufrieden sind.

Wir entwickeln das duale Ausbildungssystem in Bulgarien und es funktioniert für bestimmte Unternehmen sehr gut. Ich stehe immer gerne für die bayerischen Maschinenbauer, die nach einem ausländischen Herstellungsstandort suchen, zur Verfügung auf der Emailadresse wirtschaft@bulgeneralkonsulat-muenchen.de. Als Vertreter des Wirtschaftsministeriums der Republik Bulgarien unter dem Dach des Generalkonsulates Bulgariens in München werde ich jeden, der Interesse an Bulgarien hat, mit Rat und Tat und spezifische Informationen unterstützen, begleiten und bei der Organisation der Investition in Bulgarien und der Verbindung zwischen dem Investor und den Bulgarischen Behörden helfen.

Gibt es bereits erfolgreiche Beispiele einer Zusammenarbeit zwischen Bulgarien und Bayern? Die einzelnen deutschen Erfolgsgeschichten in Bulgarien zeigen den kontinuierlichen Weg, den Bulgarien und Deutschland in Richtung nachhaltige strategische Partnerschaft beschreiten. Wir haben mehr als 230 Automobilzulieferer und viele Unternehmen besonders im Bereich Maschinenbau und IT Industrie. Als Erfolgsgeschichten von Bayern kann ich sofort viele Namen nennen: MULTIVAC, die Verpackungsmaschinen in Bulgarien produzieren, STECA Electronic, das Kabeltechnik, Elektronik und Komplettsystemen in Bulgarien herstellt, LEONI AG, das Kabelsystemen für die Automobilindustrie produziert und mit dem ich persönlich in meiner Berliner Arbeitszeit  gearbeitet habe, OSRAM, das Lichtsysteme für die Automobilindustrie in Bulgarien herstellt, MD Elektronik, auch einen Automobilzulieferer. Wir haben auch kleineren Unternehmen wie Catenate GmbH,  Softwarezulieferer aus München, der Software für die bayerischen BMW, Porsche und Audi entwickelt. Zwischen den großen Unternehmen würde ich gern die Namen von Siemens und Allianz, die schon seit vielen Jahren erfolgreich auf dem bulgarischen Markt sind, erwähnen.

Welche Köstlichkeit sollte man sich in Bulgarien auf keinen Fall entgehen lassen? Bulgarien ist sehr berühmt für den Geschmack unseres Obsts und Gemüses, für unsere Weine, für das bulgarische Joghurt und den bulgarischen Schafkäse. Die große Vielfalt an ausgezeichneten Restaurants in Bulgarien sollte man unbedingt erfahren.

Vielen Dank für das Interview!