Brexit: Es ist Zeit, sich vorzubereiten!

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Bei vielen bayerischen Unternehmen ist der Zeitpunkt gekommen, sich auf den Brexit vorzubereiten. Das zeigte sich auf dem Erfahrungsaustausch zum Thema am 28. November 2018 in Augsburg.

Bayerische Maschinen- und Anlagenbauer exportieren jährlich Waren im Wert von rund 1,5 Milliarden Euro nach Großbritannien. Damit ist das Land ein wichtiger Markt, in dem sich die Änderungen auf Grund des EU-Ausstiegs auswirken werden. Noch ist nicht absehbar, wie genau. Der VDMA rät seinen Mitgliedern aber nach wie vor, sich auf einen harten Brexit vorzubereiten.

Dabei wird Großbritannien zum Drittland. Dadurch ändern sich natürlich die Auflagen, Zollanmeldungen werden notwendig und die Abwicklung von Aufträgen wird längere Zeit in Anspruch nehmen. Eventuell wird es dadurch notwendig, zusätzliche Sachbearbeiter einzustellen. Grundsätzlich ist aber die Bearbeitung eines Drittlandes für bayerische Firmen kein Neuland. Unternehmen sollten sich jedoch bei ihren britischen Partnern informieren, wie der Wissenstand zu Zollanmeldungen beim Import ist. Auch die Infrastruktur in Großbritannien wird unter großen Druck geraten. Die britische Zollverwaltung braucht geschätzt 12.000 Mitarbeiter, um die neu anfallenden Anträge, die sich Schätzungen zufolge vervierfachen werden, bearbeiten zu können.

Sensibilisieren Sie daher Ihre Kunden. Aus VDMA Erfahrung zeigt sich, dass viele Firmen in Großbritannien wenig bis gar nicht auf den Austritt vorbereitet sind. Das bestätigten auch die anwesenden Unternehmen. Alternativ kann eine Lieferung ab Werk vereinbart werden.

Verträge prüfen

Überhaupt können durch diese Unsicherheiten Verzögerungen der Lieferzeit entstehen, die zu einem Vertragsbruch führen könnten. Das war auch die Sorge einiger anwesenden Unternehmensvertreter. Der VDMA rät den Unternehmen zur Prüfung ihrer Verträge auf zwei wesentliche Risiken: Kostersteigerungen, z.B. durch Zölle und Lieferverzögerungen, z.B. durch Grenzkontrollen. Kostenrisiken können durch die Vereinbarung entsprechender Incoterms minimiert werden. Bei der Vereinbarung von Lieferfristen sollte das Risiko von Verzögerungen berücksichtigt werden. Überhaupt sollte man Verträge für das kommende Jahr nach Möglichkeit nicht mehr nach britischem Recht abschließen. Auch die Preisfestlegung in Euro statt in Pfund kann auf Grund der unabsehbaren Kursentwicklung Sicherheit schaffen.

"Der VDMA rät, Verträge auf zwei wesentliche Risiken zu prüfen: Kostensteigerungen und Lieferverzögerungen." Anette Binder, VDMA Recht

Lieferketten überprüfen

Bezieht ihr Unternehmen Vorerzeugnisse aus Großbritannien? Diese qualifizieren nach einem harten Brexit nicht mehr als Unionsware. Daher sollten Unternehmen prüfen, ob sich ein Produkt dadurch nicht mehr EU-Ursprungsware qualifiziert. In so einem Fall sollten sich Unternehmen jetzt bereits nach alternativen Lieferanten in der EU umsehen.

Was tun im Falle eines „Soft Brexit“?

Sollte das britische Parlament am Ende doch der politischen Erklärung zustimmen, gilt eine Übergangsfrist von knapp 2 Jahren bis Ende 2020. Dazu gibt es die einmalige Gelegenheit, diese um weitere 2 Jahre bis Ende 2022 zu verlängern. In dieser Zeit gelten EU Regelungen wie vor dem Brexit. Die Verhandlungspartner werden versuchen, in dieser Zeit ein umfassendes Freihandelsabkommen abzuschließen, um die langfristigen Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU zu definieren.