Europa am Ende? Sind europäische Werte noch wettbewerbsfähig?

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Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau hat wohl wie keine andere Industrie von der europäischen Union profitiert. Gerade im Grenzland Bayern sorgt die Uneinigkeit der Mitgliedsstaaten also für Sorge. Daher stand Europa auch 2019 im Mittelpunkt des Sommerforums des VDMA Bayern. Mit hochkarätigen Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Journalismus diskutierten die Mitgliedsunternehmen am 16. Juli 2019 in München.

Die Situation innerhalb der Europäischen Union hat sich im Vergleich zu 2018 nicht wirklich verbessert. Die Errungenschaft eines friedlichen und wohlhabenden Europas ist keine Selbstverständlichkeit, wie nationale Egoismen in Europa, aber auch in Amerika und China, zeigen. Gerade daher ist es dem VDMA Bayern ein Anliegen, die europäische Idee für die Zukunft am Leben zu erhalten. „Für uns als VDMA ist klar, die EU darf nicht zu einer reinen Wirtschaftsgemeinschaft absteigen. Der Solidaritätsgedanke gehört für uns essenziell zur europäischen Union,“ so Claudia Haimer, Vorsitzende des Vorstands des VDMA Bayern.

"Die EU darf nicht zu einer reinen Wirtschaftsgemeinschaft absteigen. Der Solidaritätsgedanke ist essenziell." Claudia Haimer, Haimer GmbH

Die EU ist schließlich bereits seit ihrer Gründung eine Wertegemeinschaft und war damit niemals eine reine Wirtschaftsunion. Angriffe auf die europäischen Prinzipien kommen von innen, durch Ungarn oder Polen, aber auch durch die aktuelle US-Regierung oder die Volksrepublik China. Als Gegenpol bemüht sich die EU eine „Allianz der Multilateristen“ aufzustellen.

In diesem Umfeld müssen natürlich auch Unternehmen ihre Strategie anpassen, denn das Auslandsgeschäft wird unsicherer. Jedoch ist auch für bayerische Unternehmen zweifelsohne die EU von enormer Bedeutung. So auch für Multivac, einem global agierenden Verpackungsmaschinenhersteller aus dem Allgäu. „Ohne den Euro wäre Multivac nur halb so groß,“ stellte Joachim Boekstegers, CEO, fest.

"Ohne den Euro wäre Multivac nur halb so groß." Joachim Boekstegers, Multivac

Grundsätzlich ist man sich über die Bedeutung der europäischen Union ja einig, das zeigte sich auch in der abschließenden Diskussion am Sommerforum. Gleichzeitig muss die EU aber auch dafür sorgen, dass die bürokratischen Anforderungen in einem vertretbaren Rahmen bleiben. Hierzu sind sowohl die Kommission als auch die Mitgliedsstaaten gefragt. Von der Politik wird ein konsequentes Bekenntnis zur Union gefordert. Unsachliche Kritik an Brüssel zu Wahlkampfzwecken ist der Sache nicht förderlich.

Wohin solch kurzsichtige Politik führen kann, beschrieb Anthony Glees am Ende der Veranstaltung. Als Professor of Politics an der Universität Buckingham referierte er über den Brexit und die Gefahr, der von ihm auf die EU ausgeht. Es sei sehr schwierig, die irrationale Ideologie des Brexits mit Fakten zu durchbrechen. Daher appellierte er daran, den Briten einen geordneten, aber maximalen Brexit zu ermöglichen, um den Schein zu zerstören, dass Großbritannien außerhalb der EU stärker sei. In seiner Analyse war Professor Glees sehr pessimistisch für das Vereinigte Königreich. Als überzeugtem Europäer war es ihm daher umso wichtiger zu betonen, dass die Ideologie des Brexits nicht auf andere EU-Staaten überspringen darf.